Achte Weltwunder - letzter Abschnitt
Date: May 21st, 2009 12:18:16 am - Subscribe


Nach diesem letzten Höhepunkt seiner Geschichte beginnt das Bergheiligtum unmerklich zu verfallen. Den romanischen Glockenturm vernichtet ein Brand; ein spätgotischer Turm, der ihn ersetzt, wird ebenfalls zerstört und durch einen Turm im klassischen Stil abgelöst. Der romanische Kirchenchor stürzt ein, die ihn tragende Krypta muss erneuert werden. Im 18. Jahrhundert wieder muss aus unerfindlichen Gründen das alte Kirchenportal einer etwas langweiligen klassizistischen Fassade weichen.
Die Französische Revolution endlich besiegelt auch das Schicksal des Mont Saint-Michel. Im Jahre 1790 verlassen die Benediktiner ihre Abtei, die sich bald darauf in ein Gefängnis verwandelt. Hinter den festen Mauern hallen jetzt statt gläubiger Gebete die Klagen oft unschuldig Verurteilter wider. Unter Napoleon dient der ehemalige Revolutionskerker als Zuchthaus. Nur im Kirchenchor werden noch Gottesdienste abgehalten. Napoleons Erben treiben es nicht besser. Unter Louis Philippe schmachten hier etwa 60 politische und 600 andere Gefangene. Später verwendet man die Abtei als Besserungsanstalt. Erst am 20. April 1874 stellt der Präsident der französischen Republik das stark verfallene Bauwerk unter Denkmalschutz.

Heute sieht der Mont Saint-Michel wieder annähernd ebenso aus wie zur Zeit seines größten Glanzes. Nur etwas hat sich geändert: Statt der Pilger strömen jetzt neugierige Reisende auf den Berg. Das Gesamtbild des Berges aber ist einmalig geblieben. Der Felsen selbst erinnert an Helgoland, seine Lage im Meer an Venedig, die Bauten an tibetanische Klöster und die Befestigungsanlagen an den italienischen Berg-Kleinstaat San Marino. Für sich allein genommen ist der Mont Saint-Michel jedoch ebenso unvergleichlich wie jede dieser Kostbarkeiten unseres Erdballs.
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