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Nach diesem letzten Höhepunkt seiner Geschichte beginnt das Bergheiligtum unmerklich zu verfallen. Den romanischen Glockenturm vernichtet ein Brand; ein spätgotischer Turm, der ihn ersetzt, wird ebenfalls zerstört und durch einen Turm im klassischen Stil abgelöst. Der romanische Kirchenchor stürzt ein, die ihn tragende Krypta muss erneuert werden. Im 18. Jahrhundert wieder muss aus unerfindlichen Gründen das alte Kirchenportal einer etwas langweiligen klassizistischen Fassade weichen. Die Französische Revolution endlich besiegelt auch das Schicksal des Mont Saint-Michel. Im Jahre 1790 verlassen die Benediktiner ihre Abtei, die sich bald darauf in ein Gefängnis verwandelt. Hinter den festen Mauern hallen jetzt statt gläubiger Gebete die Klagen oft unschuldig Verurteilter wider. Unter Napoleon dient der ehemalige Revolutionskerker als Zuchthaus. Nur im Kirchenchor werden noch Gottesdienste abgehalten. Napoleons Erben treiben es nicht besser. Unter Louis Philippe schmachten hier etwa 60 politische und 600 andere Gefangene. Später verwendet man die Abtei als Besserungsanstalt. Erst am 20. April 1874 stellt der Präsident der französischen Republik das stark verfallene Bauwerk unter Denkmalschutz. Heute sieht der Mont Saint-Michel wieder annähernd ebenso aus wie zur Zeit seines größten Glanzes. Nur etwas hat sich geändert: Statt der Pilger strömen jetzt neugierige Reisende auf den Berg. Das Gesamtbild des Berges aber ist einmalig geblieben. Der Felsen selbst erinnert an Helgoland, seine Lage im Meer an Venedig, die Bauten an tibetanische Klöster und die Befestigungsanlagen an den italienischen Berg-Kleinstaat San Marino. Für sich allein genommen ist der Mont Saint-Michel jedoch ebenso unvergleichlich wie jede dieser Kostbarkeiten unseres Erdballs. |
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Bei dem unruhig flackernden Licht der Oellampen sind die rauen Tuffsteinwände des unterirdischen Raumes mit ihren eingelassenen Gräbern nur schwach zu erkennen. Andächtig und gebannt zugleich blickt die Menge auf den ehrwürdigen Greis, der ihr das Wort Gottes vermittelt. Es ist still an diesem Ort des Todes, so still, dass selbst das leiseste Rascheln eines Gewandes hörbar wird. Um so erschreckender wirkt der Warnruf, der plötzlich gellend die gemessene Stimme des Statthalters Petri übertönt: „Die Soldaten kommen!" Fast im gleichen Augenblick poltert eine Gruppe römischer Soldateska mit blankgezogenen Schwertern die Treppe herunter. Die vorher nur unruhigen Lichter zucken jetzt wie in tödlicher Furcht. Schützend drängen sich die Gläubigen vor ihren Bischof und seine vier Diakone. Doch der Bischof duldet es nicht, dass sich andere für ihn opfern. Als die aufgehetzten Soldaten schon zuschlagen wollen, gibt er sich zu erkennen. Er und seine Diakone werden gepackt und über die Tuffsteintreppe ins Freie geschleppt. Dort erleiden sie am 6. August des Jahres 258 den Märtyrertod. Sie werden in der Katakombe beigesetzt. Dieser Bericht ist das einzige zuverlässige Zeugnis dafür, dass in den Katakomben jemals ein Gottesdienst abgehalten worden ist. In ihnen Behelfskirchen aufgescheuchter Christengemeinden oder heimliche Zufluchtsstätten angstbebender verfolgter Christen zu sehen, beruht auf reichlich phantasievollen Legenden. Denn im Allgemeinen dienten sie, von Totenmessen und Märtyrergedächtnissen abgesehen, einzig und allein dem Zweck, zu dem sie geschaffen wurden: als Friedhöfe. Deren Eigenart allerdings war ganz dazu angetan, die Phantasie mächtig anzuregen. |