In den Irrgaerten der Katakomben
Date: May 27th, 2009 10:37:27 pm - Subscribe
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Bei dem unruhig flackernden Licht der Oellampen sind die rauen Tuffsteinwände des unterirdischen Raumes mit ihren eingelassenen Gräbern nur schwach zu erkennen. Andächtig und gebannt zugleich blickt die Menge auf den ehrwürdigen Greis, der ihr das Wort Gottes vermittelt. Es ist still an diesem Ort des Todes, so still, dass selbst das leiseste Rascheln eines Gewandes hörbar wird. Um so erschreckender wirkt der Warnruf, der plötzlich gellend die gemessene Stimme des Statthalters Petri übertönt: „Die Soldaten kommen!" Fast im gleichen Augenblick poltert eine Gruppe römischer Soldateska mit blankgezogenen Schwertern die Treppe herunter. Die vorher nur unruhigen Lichter zucken jetzt wie in tödlicher Furcht. Schützend drängen sich die Gläubigen vor ihren Bischof und seine vier Diakone. Doch der Bischof duldet es nicht, dass sich andere für ihn opfern. Als die aufgehetzten Soldaten schon zuschlagen wollen, gibt er sich zu erkennen. Er und seine Diakone werden gepackt und über die Tuffsteintreppe ins Freie geschleppt. Dort erleiden sie am 6. August des Jahres 258 den Märtyrertod. Sie werden in der Katakombe beigesetzt.
Dieser Bericht ist das einzige zuverlässige Zeugnis dafür, dass in den Katakomben jemals ein Gottesdienst abgehalten worden ist. In ihnen Behelfskirchen aufgescheuchter Christengemeinden oder heimliche Zufluchtsstätten angstbebender verfolgter Christen zu sehen, beruht auf reichlich phantasievollen Legenden. Denn im Allgemeinen dienten sie, von Totenmessen und Märtyrergedächtnissen abgesehen, einzig und allein dem Zweck, zu dem sie geschaffen wurden: als Friedhöfe. Deren Eigenart allerdings war ganz dazu angetan, die Phantasie mächtig anzuregen.
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