Weltwunder 2
Date: May 15th, 2009 3:46:56 am - Subscribe
Den Mont Saint-Michel haben Natur und Geist geformt. Ursprünglich war er nur ein kahler und unbewohnter Felsen, der sich inmitten eines unermesslichen Waldes erhob. Seit dem dritten nachchristlichen Jahrhundert soll sich die See vorgeschoben und während der Märzstürme des Jahres 709 in einer großen Flut den Wald endgültig verschlungen haben. Nach einer anderen Ansicht haben Sturmfluten und erdbebenartige Vorgänge zusammengewirkt und das heutige Bild der Küstenlandschaft um den Mont Saint-Michel gestaltet. Eine annähernde Vorstellung davon, wie der Mont Tombe — so hieß der Berg damals — ausgesehen haben mag, vermittelt heute noch der unbewohnte und spärlich bewachsene niedrige Inselberg Tombelaine, der etwa drei Kilometer vom Mont Saint-Michel entfernt aus den Fluten ragt.
Der Name Mont Tombe oder Grabes-Berg geht auf die alten Gallier zurück, die in dem zerklüfteten und von düsteren Wäldern umrauschten Felsen einen geeigneten Wohnsitz für die Seelen der Verstorbenen sahen. Auch späterhin hat der Berg immer wieder ähnliche Ehrfurcht ausgelöst. So errichteten die Römer dort ihre Altäre, ihnen wiederum folgten die ersten christlichen Eremiten, und bald darauf entstanden auf dem Berg die ersten bescheidenen Kultstätten des Christentums. Christlicher Geist und die aus ihm hervorgegangene Kunst haben den Mont Tombe dann endgültig in den Mont Saint-Michel verwandelt.
Mont Saint-Michel heißt der Berg nach dem Erzengel Michael. Die Bischöfe von Avranches, denen die Eremiten auf dem Mont Tombe unterstanden, pflegten sich zuweilen auch in die Stille des 20 Kilometer von ihrem Sitz entfernten Berges zurückzuziehen, um dort zu meditieren. Die Legende besagt nun, dass der Erzengel Michael einem dieser Bischöfe erschienen sei und ihn angewiesen habe, auf dem Mont Tombe ein Heiligtum zu errichten.
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