lain_banner

"I can't stand to spend another night alone"
Date: Oct 3rd, 2006 6:42:13 am - Subscribe
Mood: afraid
Musik: SR-71 Another night alone

Ich konnte nicht mehr atmen.

Ich hatte heute Nacht schon Angst schlafen zu gehen, weil mich die letzten Nächte aus unerfindlichen Gründen Albträume verfolgen. Ich konnte mich dann nach etwas Zeichnen, Musik hören und An-die-Decke-starren doch noch dazu bewegen ins Bett zu kriechen.
Es endete damit, dass ich urplötzlich aufgewacht bin, geschwitzt habe wie weiß-nich-was, gezittert habe und weder fähig war, mich zu bewegen, noch zu atmen. Zum Glück hat dieser Zustand nur ein paar Sekunden angedauert, aber es war... beängstigend. Ich bin irgendwann mitten in der Nacht aus dem Bett getorkelt, weil meine Beine mehr in Streik-, als in Lauflaune waren, hab was getrunken, es vermieden mich im Spiegel anzusehen und bin zurückgetorkelt. Auf halbem Wege dann wiedermal heulend zusammengebrochen. Es hat sich angefühlt, als würde meine Lunge verkrampfen. Ich habe keinen vernünftigen Ton mehr rausgebracht, mehr gespuckt und gehustet als geheult. In diesem Schleier aus Farben, den ich vor Augen hatte, habe ich nach meinem MP3-Player getastet, wild darauf herumgedrückt, bis das Display endlich geleuchtet hat, mir, nachdem sich meine Hände beruhigt hatten, die Kopfhörer aufgesetzt und Scherbengesicht gehört. Immer wieder.
Und dann kamen sie. Diese Bilder aus den ständigen Albträumen. Normalerweise erinnere ich mich sehr selten an Träume, aber dieses Lied hat bewirkt, dass ich alles wieder deutlich vor Augen hatte. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass es das war, was ich geträumt hatte. Dieser Albtraum war in seinem Inhalt nicht viel anders als die anderen. Aber in seiner Intensität. Diesmal hatte ich meine Exklasse nicht bloß als schemenhaft Figuren vor Augen, die irgendwas dumpfes lachend von sich gaben. Diesmal besaßen sie deutliche Konturen, ihr Lachen glich einer Fratze, dem Maul eines Raubtieres oder war einfach nur übertrieben verzogen. Ihre Worte waren deutlich. Es waren die selben wie früher. Heute noch genauso verletzend wie damals. Ich hielt den Kopf gesenkt, wollte sie nicht ansehen. Auf meinem ganzen Körper lag ein dünner Film aus einem Material ähnlich wie Seide. Ich konnte spüren, wie weich es war. Dass mein Gesicht mit einer Maske verdeckt war, war nichts Neues, aber der vernähte Mund. Wie ich ihn gerne zeichne. Vernäht. Schweigend. Ich konnte ihnen nichts entgegensetzen. Dann schlugen sie zu. Sie schlugen und traten auf mich ein und ich spürte es so überdeutlich... und sie lachten. Ihr Gelächter klang genauso, wie ich es heute noch immer wieder in Gedanken höre. Sie lachten und schrieen und jubelten, verwuchsen alle zu einer Masse... und traten und schlugen weiter. Bis ihr Ziel mein Brustkorb wurde. Ihre Hände waren halbe Klauen... und sie zerfetzten meine Haut und brachen durch die Knochen und das Fleisch und rissen an meinem Herz herum. Ich wollte schreien, doch es ging nicht. Es ging niemals. Ich wusste mich nicht zu wehren. Irgendwann hörte mein Herz auf zu schlagen und nur der Schmerz blieb. Als einziges. Ich weinte nicht, ich war nicht wütend, es tat einfach nur weh. Sie ließen mich liegen wie Dreck und gingen, noch immer lachend. Dann war ich alleine und hörte nur noch meinen Atem, der überraschend ruhig ging. Ich tastete nach dem Loch in der Brust, doch es war weg. Aber der dünne Film auf meinem Körper riss ein und die Schmerzen wurden mit jedem Riss heftiger. Die Maske zerbrach Stück für Stück. Ein Szenario, das ich gewohnt war. In der Ferne erkannte ich dann Eva, die mich traurig ansah, fast schon mitleidig. Ich begann zu weinen und sank in mich zusammen. Sie kam zu mir... langsam und vorsichtig, beugte sich runter, strich über mein Gesicht und hatte Blut an den Händen. Irgendwann hat sie dann die Nähte in meinem Gesicht gepackt und sie einfach abgerissen. Wieder ungeheure Schmerzen. Als ich aufgesehen habe, war sie weg.
Überall bildeten sich neue Figuren, die mir den Rücken zuwandten. Ich stand auf, ging zu ihnen, sprach. Ich konnte sprechen. Ein paar drehten sich um und deuteten mir zu gehen. Andere gingen einfach. Wieder andere schlugen mich beiseite. Plötzlich gaben meine Beine nach und ich kniete auf dem Boden, doch sie gingen alle und ließen mich alleine. Ich sah auf meine Arme und sah, wie sie zerbrachen, mein Körper immer weiter zerbröckelte. Und dann war es vorbei.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, solche Bilder erst hinterher deutlich wahrzunehmen, alles noch einmal. Irgendwann bin ich aufgestanden und habe mich ins Bett gesetzt. Und wie immer viel nachgedacht... und versucht mich damit zu trösten, dass es nur noch knapp ein Monat wäre, bis ich meine Freunde wiedersehen sollte. Nach all den schlimmen Bildern hatte ich doch immer diesen Rettungsring, der mich auch aus dem eisigsten Wasser ziehen konnte.
Und ich werde weiter durchhalten. Egal wie schlimm die Träume auch sein mögen. Es sind Erinnerungen, nicht mehr. Sie lassen sich nur schlecht verdrängen.

~Au revoir~
Marin
Comments: (1)


Window Template
Create your own Free Aeonity Blog Today
Content Copyrighted marin at Aeonity Blog
Comments:

anonymous - October 03rd, 2006
ich weis, dass ich nichts tun kann aber es tut weh, zu lesen, wie schlimm dich deine erinnerungen immer noch plagen... ich wünsche dir so viel gutes für die zukunft, wie nur möglich. du hast es verdient. <3

Sorry anonymous, this user does not allow double comments to be posted.