lain_banner

Fuck it.
Date: Oct 25th, 2006 9:06:48 am - Subscribe
Mood: ---
Musik: Levellers - Four Winds

Eine Sechs in Physik. Zwei Punkte.
Eine Sechs in Mathe. Ein Punkt.
Das kann es nicht sein.
Heute war das erste Mal, dass ich vor der Klasse in einen Heulkrampf ausgebrochen bin, weil ich es beim besten Willen nicht mehr zurückhalten konnte. Die Sechs in Physik kam zuerst, ich hab mir auf die Lippen gebissen, bis es wehtat, um das Heulen zu unterdrücken, ich hab vor mich auf den Tisch gestarrt und die schlechte Laune meines Lehrers versucht zu ignorieren. Das Dumme war, dass ich die einzige Sechs hatte, also wirklich eine Blamage, vor allem, weil ständig durch die Gegend gefragt wurde, wer denn nun die Sechs hat. Dann kam Deutsch, da konnte ich mich etwas beruhigen, musste aber dennoch mit den Tränen kämpfen, weil ich wusste, dass mich noch Mathe erwartet. Von der Seite durfte ich mir nur ständig "Ach komm, Christine, jetzt lass doch die schlechte Laune sein" anhören.
Dann schließlich kam Mathe.
Die Klasse war insgesamt schlecht, bis auf die Jungs, weil die Mathe nunmal drauf haben.
Er hat den Schnitt runtergesetzt. Wer Nullstellen und Geraden berechnen und zeichnen konnte, bekam die Vier.
Was habe ich? Eine Sechs. Mit einem einzigen Punkt von 22.
Ich bin über meinem Tisch zusammengebrochen und habe angefangen zu heulen. Als mich mein Lehrer gefragt hat, warum ich denn die Geraden nicht gezeichnet hätte, wo ich sie doch richtig berechnet hatte, würgte ich nur ein "Ich hatte nen Blackout" hervor und bin aus dem Zimmer gegangen. Quer durch die Schule, mit diesem tränenverschmierten Gesicht und den roten Augen. Als ich in den Chemieraum kam, ist das Lächeln meiner Lehrerin eingefroren und ich habe sie gebeten, mich nicht abzufragen, weil ich gerade zwei Sechser rausbekommen hätte und nervlich am Ende sei. Sie hat mir sogar angeboten, dass ich nach Hause gehen könne, wenn es mir nicht gut ginge, aber ich bin geblieben. Chemie zu verpassen kann ich mir nicht leisten.
Was mich heute sehr gefreut hat, war die Tatsache, dass Rebecca, die in Chemie hinter mir sitzt und mit der ich ansonsten relativ wenig zu tun habe, sich zu mir vorgesetzt und mir ein Taschentuch gegeben hatte. Und sie blieb auch vorne, die ganze Stunde und hat mich ein bisschen abgelenkt. Es hat auch geholfen. Als ich mich von ihr verabschiedet habe, hat sie gelächelt.
Ich bin nach Hause und habe dort erstmal weitergeheult und mich auf meinem Bett zusammengekauert. Mit meinen Eltern kam ich später zu dem Schluss, dass ein Besuch beim Schulpsychologen in der nächsten Stadt wohl die vorerst beste Lösung sei, weil ich selbst auch nicht weiß, woher die Blackouts in Mathe, und gelegentlich auch in Physik, kommen. Normalerweise kann ich mir alles selbst erklären, aber hier hört es auf. Und ich will nicht wegen etwas sitzenbleiben, dass ich nie wieder brauche, das wäre einfach unfair, weil ich ansonsten eine gute bis sehr gute Schülerin bin.

Nun ja. Mittlerweile geht es gefühlstechnisch wieder und seit ich mir ein paar neue Lieder zusammengesucht habe, höre ich die auf Repeat und beruhige mich.

Das wird schon alles wieder... oder?

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Scars and strikes
Date: Oct 15th, 2006 4:37:35 am - Subscribe
Mood: lonely
Musik: ---

Ich hasse diese Hölle.
Jetzt habe ich sturmfrei für die nächste Woche und fühle mich jetzt schon so verdammt einsam und allein gelassen. Drei Freunde habe ich, ja, aber wie weit wohnen die weg? 400, 500km? Ich sehe sie gerade einmal zwei oder dreimal im ganzen verdammten Jahr.
Ich gehe daran noch kaputt. Jeder hat jemanden, wenn es auch nur eine Person ist, mit dem sie etwas unternehmen können. Sie werden eingeladen oder fahren zusammen irgendwo hin oder was auch immer. Sie verbringen Zeit zusammen.
Und ich sitze hier und krümme mich, weil die Tränen schon wieder in Sturzbächen fließen und mein Husten und das Kopfweh mich fertig macht.
Ich habs versucht. Ich habe tausende Male versucht, verdammt nochmal, aus dieser Hölle zu entkommen.
Ich habe versucht mich zu integrieren.
Ich habe versucht mit anderen längere Gespräche zu führen.
Ich habe versucht, sie für mich zu interessieren oder habe mich für sie interessiert.
Nein. Nichts.
Ich bin nach wie vor alleine. Und es tut so weh. Hackt mir beide Arme ab, es würde vermutlich weniger schmerzen als diese Einsamkeit. Ich bin immer wieder hinter meiner Maske hervorgekommen, ich habe immer wieder meinen Panzer beiseite gelegt, aber niemanden hat es interessiert. Sie haben nur ihre Welt und ich kann auf ihr nicht überleben.
Es gibt Menschen, die mich mögen und die ich geradezu liebe. Ich bemühe mich um die Freundschaft mit ihnen, ich übertreibe es oft vielleicht auch und es endet im Gegenteil, nämlich dass man mich schief anguckt. Ich versuche alles, nur, damit die Freundschaft abgesichert ist. Einen dieser drei Menschen zu verlieren würde mich noch tiefer in die Hölle sinken lassen. Deswegen hänge ich so dran, hänge so an ihnen.
Aber hier ist niemand. Hier sitze ich in meinem Zimmer und erinnere mich an die Zeit als Kindergarten- und Grundschulkind und wünsche mir, wieder die Möglichkeit zu haben, jemanden anzurufen und etwas auszumachen und sei es nur ein Spaziergang am Nachmittag.
Aber ich scheine so fremd für andere zu sein, dass sie mich einfach vergessen wollen. Doch ich kann mich auch nicht ändern. Ich passe mich nicht an und verändere mich, nur, damit man sich für mich interessiert. Ein bisschen Stolz ist dann doch irgendwo übriggeblieben.
In diesem Moment wünsche ich mir nur Gesellschaft. Jemanden neben mir, der mich mag und den ich immer wieder zu mir holen könnte oder zu dem ich immer wieder gehen könnte ohne eine große Distanz dazwischen.
Die Schmerzen werden immer größer... irgendwann halte ich sie nicht mehr aus. Ich bin nicht so stark, wie ich es vorspiele. Und dann werden sie mir wieder Vorwürfe machen oder sich nur unnötig sorgen. Aber wenn ich die Narben ansehe, die eigentlich eine ewige Warnung bleiben sollten, dann kommt in mir wieder das Verlangen auf, weitere drunter zu setzen, als Zeichen, dass hinter den Warnungen oft etwas zu Verlockendes liegt, als dass man auf sie hören würde.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Poem.
Date: Oct 11th, 2006 6:53:56 am - Subscribe
Mood: dreamy
Musik: Red Hot Chili Peppers - Save the Population

Friedrich Nietzsche

Vereinsamt

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!

Ein wunderschönes Gedicht.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Well...
Date: Oct 4th, 2006 2:34:06 pm - Subscribe
Mood: -
Musik: -

So ist das.
Freundschaften zerbrechen immer wieder.
Aber wer seine Prinzipien über Bord wirft, sich zum Mainstream hin verändert und - vor allem - Freunde verletzt, den will ich nicht an meiner Seite wissen.

Es ist schade drum.

~Au revoir~
Marin
Comments: (1)


Kids.
Date: Oct 4th, 2006 6:20:32 am - Subscribe
Mood: *sigh*
Musik: Backyard Babies - Shut the fuck up

Es schlägt einen ziemlich zurück, wenn man glaubt, mit allen in der Klasse neutral bis gut auszukommen und dann sieht, wie sie hinterm Rücken mit dem Ordner in deine Richtung wedeln, ihr Gesicht verziehen und "buäh" rufen.
Ich frage mich, wann ihr endlich erwachsen werdet.
Aber macht nur weiter, ihr werdet es bereuen. Ich lasse mir nichts mehr gefallen.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


"I can't stand to spend another night alone"
Date: Oct 3rd, 2006 6:42:13 am - Subscribe
Mood: afraid
Musik: SR-71 Another night alone

Ich konnte nicht mehr atmen.

Ich hatte heute Nacht schon Angst schlafen zu gehen, weil mich die letzten Nächte aus unerfindlichen Gründen Albträume verfolgen. Ich konnte mich dann nach etwas Zeichnen, Musik hören und An-die-Decke-starren doch noch dazu bewegen ins Bett zu kriechen.
Es endete damit, dass ich urplötzlich aufgewacht bin, geschwitzt habe wie weiß-nich-was, gezittert habe und weder fähig war, mich zu bewegen, noch zu atmen. Zum Glück hat dieser Zustand nur ein paar Sekunden angedauert, aber es war... beängstigend. Ich bin irgendwann mitten in der Nacht aus dem Bett getorkelt, weil meine Beine mehr in Streik-, als in Lauflaune waren, hab was getrunken, es vermieden mich im Spiegel anzusehen und bin zurückgetorkelt. Auf halbem Wege dann wiedermal heulend zusammengebrochen. Es hat sich angefühlt, als würde meine Lunge verkrampfen. Ich habe keinen vernünftigen Ton mehr rausgebracht, mehr gespuckt und gehustet als geheult. In diesem Schleier aus Farben, den ich vor Augen hatte, habe ich nach meinem MP3-Player getastet, wild darauf herumgedrückt, bis das Display endlich geleuchtet hat, mir, nachdem sich meine Hände beruhigt hatten, die Kopfhörer aufgesetzt und Scherbengesicht gehört. Immer wieder.
Und dann kamen sie. Diese Bilder aus den ständigen Albträumen. Normalerweise erinnere ich mich sehr selten an Träume, aber dieses Lied hat bewirkt, dass ich alles wieder deutlich vor Augen hatte. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass es das war, was ich geträumt hatte. Dieser Albtraum war in seinem Inhalt nicht viel anders als die anderen. Aber in seiner Intensität. Diesmal hatte ich meine Exklasse nicht bloß als schemenhaft Figuren vor Augen, die irgendwas dumpfes lachend von sich gaben. Diesmal besaßen sie deutliche Konturen, ihr Lachen glich einer Fratze, dem Maul eines Raubtieres oder war einfach nur übertrieben verzogen. Ihre Worte waren deutlich. Es waren die selben wie früher. Heute noch genauso verletzend wie damals. Ich hielt den Kopf gesenkt, wollte sie nicht ansehen. Auf meinem ganzen Körper lag ein dünner Film aus einem Material ähnlich wie Seide. Ich konnte spüren, wie weich es war. Dass mein Gesicht mit einer Maske verdeckt war, war nichts Neues, aber der vernähte Mund. Wie ich ihn gerne zeichne. Vernäht. Schweigend. Ich konnte ihnen nichts entgegensetzen. Dann schlugen sie zu. Sie schlugen und traten auf mich ein und ich spürte es so überdeutlich... und sie lachten. Ihr Gelächter klang genauso, wie ich es heute noch immer wieder in Gedanken höre. Sie lachten und schrieen und jubelten, verwuchsen alle zu einer Masse... und traten und schlugen weiter. Bis ihr Ziel mein Brustkorb wurde. Ihre Hände waren halbe Klauen... und sie zerfetzten meine Haut und brachen durch die Knochen und das Fleisch und rissen an meinem Herz herum. Ich wollte schreien, doch es ging nicht. Es ging niemals. Ich wusste mich nicht zu wehren. Irgendwann hörte mein Herz auf zu schlagen und nur der Schmerz blieb. Als einziges. Ich weinte nicht, ich war nicht wütend, es tat einfach nur weh. Sie ließen mich liegen wie Dreck und gingen, noch immer lachend. Dann war ich alleine und hörte nur noch meinen Atem, der überraschend ruhig ging. Ich tastete nach dem Loch in der Brust, doch es war weg. Aber der dünne Film auf meinem Körper riss ein und die Schmerzen wurden mit jedem Riss heftiger. Die Maske zerbrach Stück für Stück. Ein Szenario, das ich gewohnt war. In der Ferne erkannte ich dann Eva, die mich traurig ansah, fast schon mitleidig. Ich begann zu weinen und sank in mich zusammen. Sie kam zu mir... langsam und vorsichtig, beugte sich runter, strich über mein Gesicht und hatte Blut an den Händen. Irgendwann hat sie dann die Nähte in meinem Gesicht gepackt und sie einfach abgerissen. Wieder ungeheure Schmerzen. Als ich aufgesehen habe, war sie weg.
Überall bildeten sich neue Figuren, die mir den Rücken zuwandten. Ich stand auf, ging zu ihnen, sprach. Ich konnte sprechen. Ein paar drehten sich um und deuteten mir zu gehen. Andere gingen einfach. Wieder andere schlugen mich beiseite. Plötzlich gaben meine Beine nach und ich kniete auf dem Boden, doch sie gingen alle und ließen mich alleine. Ich sah auf meine Arme und sah, wie sie zerbrachen, mein Körper immer weiter zerbröckelte. Und dann war es vorbei.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, solche Bilder erst hinterher deutlich wahrzunehmen, alles noch einmal. Irgendwann bin ich aufgestanden und habe mich ins Bett gesetzt. Und wie immer viel nachgedacht... und versucht mich damit zu trösten, dass es nur noch knapp ein Monat wäre, bis ich meine Freunde wiedersehen sollte. Nach all den schlimmen Bildern hatte ich doch immer diesen Rettungsring, der mich auch aus dem eisigsten Wasser ziehen konnte.
Und ich werde weiter durchhalten. Egal wie schlimm die Träume auch sein mögen. Es sind Erinnerungen, nicht mehr. Sie lassen sich nur schlecht verdrängen.

~Au revoir~
Marin
Comments: (1)


Weekend. Finally.
Date: Sep 29th, 2006 10:27:52 am - Subscribe
Mood: worn out
Musik: nothing... not with that headache

*seufz*
Endlich Wochenende. Herrgott nochmal, irgendwann reicht es echt. Wenn das jetzt schon so stressig ist, will ich nicht wissen, wie die Zeit wird, wenn Mathe, Physik, etc. näher rückt. Ich verstehe ja jetzt schon absolut gar nichts.
Aber insgesamt drei Gedichtinterpretationen, einen Haufen Spanischvokabeln (wobei das ja noch Spaß macht), noch mal einen Haufen Texte für Englisch analysieren, nebenbei die gesamte Chemie der 10. Klasse draufhaben (gut, dass sie das nochmal mit uns übt... ich bereue es schwer, dass ich Chemie habe schleifen lassen *seufz*), unwichtige komplizierte Dinge in Physik lernen, Ethik lesen und rausschreiben, Erdkunde und Geschichte lesen, rausschreiben, verstehen, widergeben können, SPG und Sozi lernen (immerhin eine 2+ bei der Abfrage) und Mathe ist sowieso Horror, da krieg ich bei den Hausaufgaben nicht einmal einen anständigen Ansatz zustande. Und das alles in einer verdammten Woche.
Ich habe kaum geschlafen, entweder, weil ich lernen/arbeiten musste oder weil ich ganz einfach nicht schlafen konnte wegen dem ungewöhnlich starken Kopfweh, das ich die ganze Zeit über hatte.
Und als ob das nicht schon Stress genug wäre, muss ich mir jetzt auch noch Gedanken drüber machen, einer ehemalige Freundin endgültig zu sagen, dass sie es vermasselt hat.
Und nebenbei muss ich mich auch noch damit rumquälen überall Pärchen zu sehen und von weiß nich was für tollen Beziehungen zu hören. Was muss ich mich auch immer in die falschen Leute verlieben...
Oh man. Vor allem, wenn man hört, dass der andere sich grade selbst verliebt hat oder schon lange jemand anderen liebt, das tut dann extrem weh, aber man darf es nicht zeigen. Nunja~

Na dann mal weiter.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Headacheheadacheheadacheheadache~
Date: Sep 27th, 2006 9:59:35 am - Subscribe
Mood: worried
Musik: AFI - Silver and Cold

Ich frage mich, was zurzeit mit meinem Kopf los ist.
Als ich heute aufgestanden bin, kam es mir vor, als würde er eine Tonne wiegen, in Englisch hat es wieder über den Augen gestochen wir verrückt, ich konnte sie kaum offen halten. In Spanisch konnte ich mich kaum auf die Worte konzentrieren, Mathe war für mich ein einziges großes Fragezeichen. Ich habe komplett, absolut, einfach nur _nichts_ verstanden. Wenn ich eine Zeile aufschreibe, ist er schon acht Sätze weiter und ich komme überhaupt nicht mehr mit. Und mit dem Kopfweh, das ich heute hatte... *seufz*
Irgendwann gings dann nach Hause, auf dem Weg hab ich die neue Nachbarskatze auf der Straße hocken sehen. Sie ist noch recht jung, ein Jahr vielleicht und sehr, sehr verspielt. Ich habe mich so zehn Minuten zu ihr gesetzt und mit ihr geredet und gespielt und mich abgelenkt. Und siehe da. Die Kopfschmerzen gingen weg. Nicht sofort, aber Stück für Stück.
Ich habe sowieso die Befürchtung, das körperliches Unwohlsein bei mir sehr stark mit der Psyche zusammenhängt. Sobald mich etwas belastet, zeigt sich das mehr oder minder schlimm an meinem Wohlbefinden. Und zurzeit habe ich viel auf der Seele. Schulstress ist ja noch das Mindeste. Zurzeit habe ich Angst, dass eine Freundschaft kippt... das macht mir mehr zu schaffen, als alles andere. Ich hasse Streit. Und auch, wenn es nichtmal richtiger Streit ist, aber diese dicke Luft... diese - Zitat "Schlachtbank-Atmosphäre"... nee, da macht meine Psyche nicht mit. Ich hoffe nur, dass sich wieder alles einrenkt.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Crappy everyday life again...
Date: Sep 26th, 2006 12:43:05 pm - Subscribe
Mood: empty
Musik: AFI - Silver and cold

Heute in Englisch, vierte Stunde, hat es bereits angefangen. Ich habe mich körperlich wie zerschmettert gefühlt und weiß nicht warum. Ich bin nach Hause gekommen und konnte kaum gradeaus gucken - und im Bereich direkt über den Augen hatte ich stechende Schmerzen. Nach dem Essen direkt ins Bett und erstmal rund zwei Stunden einfach nur gelegen. Später einen Spaziergang draußen gemacht, weil es grade geregnet hatte und die Luft sehr frisch war. Auf einer Wiese auf einen großen Stein gesetzt, Musik gehört und die grauen Wolken und Nebelschleier beobachtet. Dann wieder nach Hause. Die Kopfschmerzen und das Schwächegefühl waren weg, also habe ich etwas gezockt, um mich abzulenken.
Aber irgendwie ist es das nicht.
Schule läuft gut (bis auf Mathe und Sport...).
Zuhause läuft es gerade gut, weil mein Vater für ne Woche zuhause ist.
Alles ist gut.
Aber warum fühle ich mich dann so leer? Als ich mich heute von der Schule nach Hause geschleppt habe, habe ich gemerkt, wie der trockene Alltag wieder einkehrt, wie ich es hasse, jeden Tag das selbe zu tun, wie sehr ich die Abwechslung vermisse.
Ein paar gewisse Worte haben mich so sehr getroffen, dass ich ein kurzes, aber deprimierendes Zeichentief hatte. Ich hatte fast schon Angst, den Bleistift aufs Papier zu setzen. Das hat sich so fremd angefühlt. Zum Glück hielt das nur einen Tag an.
Ich wollte weinen, weil weinen immer beruhigt, weil es alles Schlechte vertreibt, aber ich war so leer.
Ich versuche mich in der Schule offen zu geben und wenn es zu klappen scheint, bin ich glücklich. Aber sie spielen es immer nur vor. Sind sie etwa so gute Schauspieler wie ich, dass ich das nicht mehr durchschauen kann?
Und dann diese Nachricht von Eva, die ich eigentlich verdrängen wollte, aber die mir doch irgendwie immer im Kopf herumschwebt. Was musste sie sich auch nach so langer Zeit wieder melden, wo ich sie doch schon fast überwunden hatte. Nun, was solls, lässt sich nicht ändern.

Ich wünsche mir nur jemanden hier, der mich aus dem Alltag holt. Aus der Oednis. Aus dem Grau.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


"Don't come ... near me ... "
Date: Sep 19th, 2006 1:02:40 pm - Subscribe
Mood: lonely again
Musik: The Strokes - On the other side

Alles runterschlucken.
Immer wieder.
Einfach weitermachen.
Weitermachen.
Weitermachen.

Es gibt kein Wort, um zu beschreiben, wie es sich anfühlt, alleine zu sitzen, alleine zu sein. Tag für Tag. Immer wieder. Ohne Veränderung. Zu wissen, dass man in die Schule geht und kaum ein Wort sprechen wird, dass man alleine sein wird. Und Sport... es wird alles andere als angenehm mich mit meiner Lehrerin auseinanderzusetzen, wenn ich mich weigere, an den Geräten oder am Boden zu turnen... oder zu tanzen.
Und Freitag Wandertag. Wir gehen auf eine Wiese, auf der es drei Volleyball Felder gibt (ahaha.) und ein Fußballfeld. Und dann wollen alle grillen. Ich sehe es vor mir. Ma abseits irgendwo sitzend, musik hörend, zeichnend. Wie immer. Seit Jahren das selbe Bild. Und dann kommen sie an und rufen "Ja hopp, spiel halt mit! Mach halt auch mal was! Sitz da net rum!" und ich werde mir denken "Das sagt sich so leicht, wenn man nicht in die Seele eines anderen gucken kann".
Niemand kann es nachvollziehen. Und ich verstehe es. Ich verstehe meine Phobie nicht einmal selbst. Es ist ja nicht einmal eine Phobie im eigentlichen Sinn, denke ich. Aber es ist einfacher es damit auszudrücken. Angst vor Menschen, Angst vor Kontakt, Angst vor Versagen-vor-den-Augen-anderer, Angst vor Gesprächen, Angst vor allem. Ich habe vieles verlernt, was für andere völlig normal ist. Aber während andere Phobiker panisch davonrennen, anfangen zu weinen oder zu schreien oder was auch immer, schlucke ich alles runter. Die Angst existiert dann nur innerlich. Daraus folgt, dass ich psychisch in wenigen Minuten total am Boden bin und Stunden brauche, um überhaupt wieder sprechen zu können und den Schwindel loszuwerden.
Und trotzdem kann ich verdammt stolz auf mich sein. In der zweiten siebten Klasse und in der achten bin ich vor der Klasse jedesmal fast zusammengebrochen oder habe mich von Anfang an geweigert vorzugehen. Damit bin ich zweimal haarscharf am nochmaligen Sitzenbleiben vorbeigerutscht. Hätte mein Mathelehrer damals bei der Konferenz gesagt, dass ich kein einziges Mal an der Tafel war, wäre es im Zeugnis eine 6 und keine 5 geworden. Nun ja. Glück gehabt.
Heute ist es nur noch in Sport so. Vor Geräte-/Bodenturnen und Tanzen oder allgemein etwas vor anderen tun halte ich mich fern. Soll sie mir ein, zwei oder drei Sechser eintragen.. es kümmert mich im Endeffekt nicht, ob ich in Sport insgesamt eine 2 oder eine 4 habe.

Wie auch immer. Es ist alles so wie immer. Einsamkeit~

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Just another ordinary mail (?)
Date: Sep 16th, 2006 6:10:30 am - Subscribe
Mood: ---
Musik: ---

Hass und Liebe hängen eng beieinander.
Vor allem in solchen Momenten.
Aus lauter Hass einen Stift zerbrechen. Und aus lauter Liebe weinen.
Sie kommt etwas spät. Aber zumindest ... kommt sie. Da sollte man doch froh sein.
Oder nicht?

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


I'm not very surprised at all.
Date: Sep 15th, 2006 1:13:11 pm - Subscribe
Mood: empty...
Musik: Hans Zimmer - Davy Jones

Es war erträglich.
Die Lehrer sind zu 90% sehr nett, die Fächer entweder interessant, entspannend oder beides. Alles in allem bin ich recht zufrieden (außer dass Sport jetzt endgültig auf die 7./8. Stunde verlegt wurde und wir dann in der 9./10. schwitzend, stinkend und völlig erschöpft in SPG sitzen dürfen. Danke.)
Was mich stört sind nach wie vor die Leute.
Ich komme mit allen gut aus, ja, das tue ich. Ich kann mit jedem normal reden, vielleicht auch mal nen Witz reißen oder über unseren Mathelehrer lästern, aber wenn, dann muss das immer von mir aus kommen. ICH muss die anderen ansprechen, sonst sagen die kein Wort. Und wenn ich dann mal was sage und meine Anfrage drei bis viermal ganz einfach ignoriert oder absichtlich überhört wird (ja ich sehe es, dass ihr mitkriegt, dass ich was sage, ihr euch aber abwendet), reißt mir auch der Gedulds- und Freundlichkeitsfaden. Wer bin ich denn, dass ich schon wieder anfangen soll, hinter anderen herzurennen?! Wirklich nicht.
Niemand wollte sich von sich aus neben mich setzen. Unser Klassenzimmer ist nur derartig klein, dass wir so schon eng beieinander sitzen und sogar neue Tische reingestellt werden mussten.
In Ehtik hätte ich alleine gesessen, wenn unser Lehrer uns nicht alle zusammen auf einer Seite hätte haben wollen.
In Sozi hätte ich alleine gesessen, wenn nicht eine aus meiner Klasse sich zwangsweise neben mich gesetzt hätte, weil hinten nur Spacken aus der Parallelklasse saßen.
In Spanisch sitze ich alleine. Was bei Partnerdialogen frustriert (und dabei ist diese Sprache doch so wunderschön).
In Chemie und Physik werde ich auch höchstwahrscheinlich alleine sitzen, außer eine merkwürdige Fügung des Schicksals oder oben genannter Zwang ändert das wieder. Musik sind sowieso Einzeltische.. zwar Zweierreihen, aber.. naja.
Kunst werde ich mich sowieso alleine irgendwo ganz hinten hinsetzen, da die ganze Stunde lang nur rumgegröhlt wird.
Und Sport? Ahaha. Nein, ich will nicht dran denken. Wir haben nicht die selbe Lehrerin wie letztes Jahr... ehrlich gesagt hatte ich jetzige schonmal und mochte sie nicht (Steppen, Tanzen, Volleyball, rhythmische Gymnastik und dazu Gemecker en masse, nein?!)
Wir werden sehen. Das einzige, was ich dieses Jahr mögen werde ist Bad Minton. Aber auch nur, wenn ich es mit den richtigen Leuten spiele. Ach, es ist alles so kompliziert. Die Phobie und die indirekte Ablehnung meiner und anderer Klassen verträgt sich nicht mit mir. Es redet ja niemand außer Steffi mal freiwillig länger als fünf oder zehn Minuten mit mir.
Niemand kann behaupten, ich würde nicht versuchen, mich einzugliedern, mich zu integrieren. Niemand. Ich gebe mein Bestes, obwohl ich mir für dieses Jahr geschworen habe, abseits zu stehen und nichts mehr zu tun. Ich tue es trotzdem. Und es kommt gar nichts dabei heraus.

Dieses Jahr könnte so verdammt toll werden. Größtenteils tolle Lehrer, ein größtenteils chilliger und interessanter Stundenplan. Aber nein. Irgendwas muss ja wieder schiefgehen. Hallo Schicksal, wo ist Fairness geblieben?

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Thoughts.
Date: Sep 6th, 2006 4:53:56 pm - Subscribe
Mood: afraid
Musik: ---

In weniger als einer Woche sitze ich wieder in der Schule.
Mir gehen gerade so viele Gedanken durch den Kopf.
Ich habe Angst vor dem ersten Tag. Wo soll ich mich hinsetzen? Einfach in die Mitte und es so erzwingen, dass sich jemand neben mich setzt? Oder an den Rand und mit der Gefahr leben, dass sich entweder niemand oder irgendein Idiot neben mich setzt?
Ich weiß es nicht. Und ich habe Angst.
Es hieß, ein paar aus der KS12 sind sitzengeblieben. Ein paar, die ich zwar nicht mag, aber die zu ertragen sind und andere, die ich hassen gelernt habe.
Argh... diese Angst. Und so viele Fragen.
Wie wird der erste Tag? Wird sich jemand neben mich setzen, einfach mal, weil er sich für mich interessiert? Wäre das erste Mal.
Wie wird die erste Woche?
Werde ich in Bio, Physik und all den anderen Fächern im Neubau alleine sitzen? Schließlich gibt es dort nur Zweier- oder Dreierreihen. oder wir sind ganz einfach zuwenig Leute, als dass alle Stühle besetzt sein könnten.
Wie wird Sport? Oh Gott. Ich will nicht daran denken... Wie ich dieses Fach hasse. Ich hatte heute schon wieder einen Heulkrampf, weil ich daran gedacht habe.
Und dann wieder lächeln?
Es tut weh. Und die Angst kriecht wie ein Parasit im Kopf herum. Frisst jeden vernünftigen Gedanken. Ich will ja positiv in die Zukunft sehen, aber es geht irgendwie nicht. Dafür müsste etwas Positives passieren. Und das tut es nicht. Wenn ich nur einmal Glück hätte, nur einmal, dann würde ich alles anders sehen. Aber da mir dir einzige Person in der Schule, mit der ich tolle Unterhaltungen führen und meine Zeit verbringen konnte, von einer minderbemittelten Kuh weggenommen wurde, habe ich es aufgegeben anderen nachzulaufen. Es endet nur in schmerzlicher Trennung, so wie immer.
Meine Klasse ist nett. Mehr aber nicht. Ich kann mit allen reden, niemand (außer besagter Kuh) ist öffentlich gehässig und versucht mich zu provozieren.
Aber ich weiß trotzdem nicht, wann alles rausbrechen wird. Durch das Heulen beruhige ich mich. Durch das Zeichnen lenke ich mich ab.
Aber wenn sie mir weiterhin Schläge ins Gesicht versetzen, indem sie mich links liegen lassen... wird es irgendwann alles rausbrechen. Alles. Ich will nicht, dass es soweit kommt. Ich bin einmal durchgedreht, einmal. Und es hat gereicht. Und da war nichtmal jemand in der Nähe. Ich weiß nicht, was sonst passiert wäre.
Nehmt mir doch die Angst. Ich bin doch sonst so eine gute Schauspielerin, ich kann alles verstecken und alles vorspielen, wie es mir gerade lieb ist. Aber nicht ewig.
Provoziert es nicht.
Bitte.
Was wird mit Partner- und Gruppenarbeiten? Wird mich jemand freiwillig bei sich haben wollen? Nicht nur aus Scheiß, sondern weil er gerne mit mir zusammenarbeiten würde? You wish.
Und Mannschaften bilden oder zu zweit was in Sport machen? Dass ich nicht lache.
Lass es mich gut überstehen.
Ich will nicht in die Schule.
Ich will nicht.
Ich will nicht.
Ich will nicht.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Blah.
Date: Aug 26th, 2006 5:31:45 am - Subscribe
Mood: M-.. mood?
Musik: Black Lab - Gates of the country

Seit gestern denke ich darüber nach.
Bin ich wirklich so paranoid und pessimistisch?
Ich habe mich immer für einen Optimisten gehalten, immerhin habe ich all die Jahre durchgestanden mit dem Satz "Du wirst es schaffen."
Vielleicht hat Fo ja recht, vielleicht auch nicht. Aber es lässt mich nachdenken, was sie gesagt hat.
Ich solle mich doch freuen, wenn andere mit mir reden, auch wenn mir ihre Art und ihre Wortwahl vielleicht oft nicht gefallen. Gestern hat mich eine aus meiner Klasse angesprochen, die ich zwar ganz nett finde, aber die für meinen Geschmack einfach zu oberflächlich ist, als dass ich mich auf sie einlassen könnte. Sie hat sich bei mir derartig übertrieben über das Wetter aufgeregt und über die Tatsache, dass ich es nicht ändern kann, dass ich eben genervt von ihr war. Und als ich sie gefragt habe, was eigentlich los ist und was sie denn am Wetter so stört, meinte sie nur: "Zick hier nicht so rum, du wirst schon nicht dran verreckn."
Eh... o-kay?
Ich weiß, warum ich Gesprächen mit solchen Menschen aus dem Weg gehe. Es tut mir Leid, Fo, aber da spielen mehrere Faktoren zusammen. Du sagst, ich solle mich mehr mit den Leuten beschäftigen, damit ich sie besser kennenlerne und dann könnte ich sie sympathisch finden. Du hast Recht. Durchaus. Aber ich bin den Leuten jahrelang hinterhergelaufen, habe versucht Gespräche aufzubauen, habe versucht, mich einzugliedern und es hat nicht funktioniert. Sie wollen mich nunmal nicht in ihrem Freundeskreis. Und ich frage mich auch selbst, ob ich da rein will. Sie haben mich zu Geburtstagsfeiern eingeladen und ich habe gut daran getan, nicht hinzugehen, weil Alkohol das einzige war, was dort Spaß erzeugt hat. Mir wurde sogar erzählt, dass sich ein paar fröhlich auf die Wiese übergeben hätten oder sich eine Zigarette nach der anderen in den Mund gesteckt hätten.
Das ist nicht meine Welt. Und ich will da nicht reingehören. Gesprächsthemen sind entweder Konzerte, Mode, Parties, Handies oder Lästereien jedweder Art. Und wer vorneherum freundlich tut, aber hintenherum aufs Übelste ablästert, zu dem will ich nicht gehören. Ich hätte Angst, etwas zu sagen, was dann auf einmal gegen mich verwendet wird. Es gibt ein paar in der Klasse, die ich grundsätzlich sehr nett finde und sie begrüßen mich vielleicht das ein oder andere Mal auch, aber wenn _ich_ mich an _sie_ wende, sind sie plötzlich wieder mehr oder minder abweisend. Vor allem in Sport. Man kann mich ruhig paranoid nennen, das bin ich auch, aber ich bin sehr vorsichtig geworden, was das angeht. Wenn alle Freundschaften im Leben letztendlich in einer bitteren Enttäuschung enden und man vom Rest nur mit einer Phobie belohnt wurde, ist es nicht so einfach, jemanden kennenzulernen, wie sich das alle vorstellen. Ich werfe niemandem etwas vor, wenn er sich meinem Dickschädel entgegenstellen muss und mich hinterher als Pessimisten sieht. Ich kann es durchaus nachvollziehen. Aber ob sich etwas ändern wird? Es lässt mich nachdenken, aber es fällt mir schwer, etwas zu ändern.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Mirror
Date: Aug 24th, 2006 10:52:50 am - Subscribe
Mood: --
Musik: --

Ein Text, der heute Nacht, ohne noch einmal durchzulesen, entstanden ist. Erinnerungen, wie sie mir zu der Musik gerade gekommen sind. Ich will keine Kritik dazu. Es ist einfach nur ein Niederschreiben von Gefühlen und Erinnerungen. Ob alle Zeiten oder jede Grammatik richtig ist, ist mir egal, also bitte lasst euch nicht über sowas aus.

Musik dazu:
Madonna - Frozen
Black Lab - Gates of the country
Alkaline Trio - Blue in the face
Letzte Instanz - Jeden Morgen
Janus - Scherbengesicht

~~~~
Ich sehe dich an.
Schon so lange kenne ich dich. Wie du dich doch in all den Jahren verändert hast. Damals war alles noch anders. Weißt du noch, wie schön es im Kindergarten war? Es war eine Zeit aus Spiel und Kinderfreuden. Ich sehe dich noch über die Wiese laufen, sehe, wie du auf der Schaukel immer höher steigst und mit einem Lachen im Gesicht abspringst. Und alle lachen mit dir. Du siehst noch ihre leuchtenden Augen vor dir. Jeden Tag habt ihr zusammen gegessen, gemalt und Türme aus Legosteinen gebaut. Stolz bist du mit deinen Figuren zu deiner Erzieherin gelaufen und sie hat dich gelobt. Es war alles so einfach.
Und die Grundschule? Erinnerst du dich noch an die Einschulung? Alle waren da. Deine Mutter zu deiner Linken, dein Vater zu deiner Rechten. Und über all die Stuhlreihen hast du deiner Oma, deiner Tante und deinem Onkel zugewinkt. Sie sahen alle so glücklich aus. Du wurdest aufgerufen und bist mit dieser viel zu großen Schultüte nach vorne gegangen ... Der Stolz sprach aus deinem Gesicht. Das Licht der Scheinwerfer hat dich gestreift, als du zu deinen neuen Klassenkameraden gelaufen bist. Du kanntest sie fast alle aus dem Kindergarten.
Es war eine schöne Zeit, nicht wahr? Du bist mit allen ausgekommen, du hattest jeden Morgen einen Grund, um zu lächeln. Kaum einen Tag hast du ohne jemanden an deiner Seite verbracht. Sicher gab es Streitigkeiten, aber die waren alle nach zwei, drei Tagen vergessen. Du könntest mir so viel erzählen. Von gemeinsamen Ausflügen, von den paar wenigen Geburtstagsfeiern in deinem Leben, die dir als schön in Erinnerung geblieben sind, weil es noch die eines Kindes waren. Damals kanntest du keinen Groll, keinen Zorn. Damals hast du nur geweint, wenn du dir dein Knie aufgeschrammt hattest. Und deine Eltern waren immer auf deiner Seite. Dein Vater hat dich für alles gelobt, was du Gutes getan hast. Er hat dich zu einem gewissenhaften Menschen erzogen und bis heute macht es dir nichts aus, dass er dich »Mäuschen« nennt.
Da war dieser große Junge ... erinnerst du dich noch? Du warst in der dritten Klasse und er in der sechsten. Immer, wenn du heimgegangen bist, hat er dich geschubst. Im Winter hat er dir die Mütze vom Kopf gerissen und sie hinter einen Zaun geworfen oder dich festgehalten und dir Schnee ins Gesicht gedrückt. Aber da waren die anderen Mädchen ... Sie haben ihn angeschrien und mit ihren Taschen nach ihm geschlagen. Irgendwann hat er dann aufgegeben. Du warst glücklich, weil da jemand war, der dich verteidigt hat.
Ich sehe dich, wie du am Ende der vierten Klasse dein Zeugnis in Händen gehalten hast. Nur Zweier und Einser. Das fleißige Lernen hat sich ausgezahlt und dein Lachen reichte von einem Ohr zum anderen. Du warst glücklich.
Dann kam die Wende.
Mit deinen Eltern zusammen bist du den Busbahnhof hochgelaufen, auf deinem Rücken noch immer der selbe bunte Schulranzen, den du die gesamte Grundschule über hattest. Er war ziemlich ramponiert, aber du mochtest ihn sehr. Vor dir erhob sich ein kaltes, graues Gebäude. Es war dir egal, dass es so wirkte, denn du hast dich so sehr gefreut, neue Kinder kennenzulernen. Das Licht der Aula blendete dich im ersten Moment und du warst zu klein, als dass du über die vielen Reihen an Eltern und Schülern hättest hinwegblicken können. Du hast ausgeharrt und dich umgesehen. Einige Kinder lächelten, andere wirkten unsicher oder nervös, wieder andere unterhielten sich aufgeregt mit ihren Eltern. Dein Vater hat seine Hand beruhigend auf deine Schulter gelegt und einen Witz gerissen, um dir die Angst zu nehmen.
Irgendwann haben sie deinen Namen aufgerufen und du bist, wie damals in der Grundschule, nach vorne gelaufen und hast dich auf eine der Stufen gesetzt, neben ein paar andere Kinder. Sie sahen dich kurz an, dann beschäftigten sie sich wieder mit sich selbst. Immer mehr nahmen neben dir Platz, doch sie hielten Abstand. Nur ein Mädchen kam zu dir und sagte, es kenne dich aus der Grundschule. Du wusstest nicht, mit wem du es zu tun hattest, aber hast sie angelächelt und sie freudig begrüßt.
Es schien alles so fremd, so anders. Da waren nicht mehr die Menschen, die du aus der Grundschule kanntest. Die riefen dich vielleicht noch drei, viermal an, dann brach der Kontakt ab. Damals hast du das erste Mal an Freundschaft gezweifelt, nicht wahr? Mit den Wochen wurden die Tage weniger, an denen du mit einem Lächeln aufgewacht bist. Die erste Sportstunde ... weißt du noch? Du hattest dein Deo vergessen und die anderen haben es ausgenutzt. Ab diesem Moment war »Du stinkst!« ein Satz, der allgegenwärtig war. Du hast es nicht verstanden. Es war doch nur einmal.
Das Lächeln am Morgen war schnell verschwunden und wurde durch Tränen ersetzt. Du kanntest dieses Gefühl nicht. Du wusstest nicht, wie es ist, über seelische Schmerzen zu weinen. In den ersten Monaten der fünften Klasse hast du dir deinen Panzer geschmiedet und deine Maske geschnitzt. Du hast eine Abwehr gebraucht. Du wolltest nicht, dass sie sehen, wie du weinst.
An einem Tag hast du deine Mathehausaufgaben vergessen und dich aus Scham nicht gemeldet. Deine Lehrerin wollte dein Heft sehen und du bist zögerlich nach vorne gegangen. Wie sich ihr Gesicht veränderte, als sie eine leere Seite vor sich liegen sah. Ihre sonst so ruhige Stimme wandelte sich in ein Brüllen. Du wusstest nicht, wie es ist, derartig angeschrien zu werden. Deine Maske riss ein und du hast hilflos auf den Boden gestarrt, doch sie schrie weiter. Sie knallte dir das Heft vor die Nase und du hast dich wieder gesetzt. Den Spott und das Lachen deiner Mitschüler wolltest du überhören, doch du konntest nicht. Es fraß sich in deinen Kopf.
Das Zeugnis der fünften Klasse bestand nicht mehr aus Einsen und Zweien, nein, wirklich nicht.
Erinnerst du dich an die sechste Klasse kurz vor Pfingsten? Du hattest diese Schmerzen im Bauch und konntest nicht in die Schule. Es war ein Segen, denn dann musstest du nicht in diese Fratzen blicken und statt dem hämischen Lachen hattest du einfach Ruhe. Doch dann musste ein Arzt gerufen werden, weil du nichts mehr essen konntest und dir das Laufen schwer fiel. Blinddarmentzündung. Krankenhaus.
Zwei Wochen warst du dort, mit zwei Schläuchen in der Seite und konntest dich nicht richtig bewegen. Essen war die ersten Tage verboten, dann durftest du etwas trinken. Deine Zimmergenossin war sehr nett. Sie stellte sich vor und erzählte dir, warum sie hier war. Die Unterhaltungen taten dir gut, denn du hattest lange nicht mehr so locker geredet. Doch ihr hattet keine drei Tage, dann wurde sie entlassen. Sie bat dich um deine Nummer, du hast sie ihr gegeben und damit verschwand sie.
Dann lagst du dort. Bekamst eine neue Zimmergenossin, die aber ganz anders war. Mit deinen zarten zwölf Jahren konntest du nicht mit einer Achtzehnjährigen sprechen und so bliebt ihr die meiste Zeit still in euren Betten liegen. Die eine sah fern, die andere las. Dann erhielt sie Besuch und zum ersten Mal in deinem Leben hast du ehrlichen Neid gefühlt. Es schien, als wäre ihre gesamte Familie gekommen, sicher sieben, acht Menschen. Alle brachten sie Blumen mit. Und Zeitschriften und CDs. Waren es zwei oder drei Stunden, die sie in diesem Raum standen und mit deiner Zimmergenossin redeten? Du hattest es verdrängt. Und während sie in der Lage war, aufzustehen und mit ihrer Freundin durch die Gänge zu laufen, bist du in deinem Bett dahinvegetiert. Ab und zu ließen sich deine Eltern blicken, blieben eine halbe Stunde bei dir und gingen wieder. Einmal brachten sie ein Kreuzworträtsel mit, ein anderes Mal ein kleines Plüschtier. Unterhaltungen kamen nicht wirklich zustande. Aus deiner Klasse kam niemand. Nicht einmal die, von denen du dachtest, dass sie dich vermissen würden.
Die Stille wurde zu deinem Verbündeten. Auf der einen Seite wolltest du sie, wolltest für dich alleine sein, auf der anderen hast du sie hassen gelernt. Im Krankenhaus hattest du nur Albträume und wurdest von der Krankenschwester um fünf Uhr morgens geweckt, nur um Fieber zu messen. Mal waren es 42 Grad, mal 39. Danach konntest du nicht mehr einschlafen und hast nur noch geweint.
Ich sehe dich noch vor mir. Du bist entlassen worden und hast das gefürchtete Klassenzimmer das erste Mal wieder betreten. Du hattest gehofft, dass dich zumindest einer vermisste. Doch die meisten riefen dir entgegen, dass du wieder verschwinden solltest. Der Rest behandelte dich wie immer. Als wärst du nie weg gewesen. Da war nur diese Zimmergenossin. Sie hat dich angerufen und ihr habt euch verabredet. Sie hat nur ein paar Dörfer weit weg gewohnt. Sie kannte dich nicht so, wie die anderen dich kannten und in dir glomm ein kleines Feuer aus Hoffnung. Und wie anders sie war. Sie lachte mit dir, ihr hattet die selben Interessen und sie brachte dir ihre Ansichten des Lebens näher. Ihr wart beide jung, aber erwachsener, als so manch anderer. Mit der Zeit wurde sie für dich die einzige Stütze. Ein Mensch, der dich tröstete, dich nicht nach dem Äußeren beurteilte und so viele Dinge mit dir teilte, dass es schon unheimlich war.
Natürlich hast du auch Halt bei anderen gesucht und du warst naiv genug, zu lange an ihnen festzuhalten. Sie haben dich zum Stehlen überredet. Über Monate hinweg bist du durch die Läden geschlichen und hast geklaut, wo es nur ging. Bis die Polizei dich erwischte. Du hast deine einzige Freundin angerufen und geweint. Es war schon spät in der Nacht, doch sie kam zu dir. Kein einziges Wort hat sie damals gesprochen. Sie hat dich einfach in den Arm genommen und dich gehalten, bis zum Morgen. Deine Eltern wussten nicht, dass sie bei dir war. Das wussten sie nie, denn eure Freundschaft war eine heimliche. Du könntest heute keinen Grund dafür nennen, vielleicht war es einfach das Besondere daran. Bevor sie nach dieser Nacht auf ihr Fahrrad stieg, lächelte sie dich an und sagte »Lass den Kopf nicht hängen.« und fuhr los. Du hast ihr nachgesehen und gelächelt.
Es war schön. Eine Freundschaft, von der du glaubtest, sie könnte nie zerbrechen. Und du konntest dich nur mit dem Gedanken an sie oben halten, wenn deine Schritte dich wieder in die Schule lenkten. Oder in die Stadt. Oder auf den Busbahnhof. Denn das Gelächter, die Beschimpfungen und die verzerrten Gesichter waren überall.
In der siebten Klasse erhielten die Schikanen ein System. Eine Anführerin kam in die Klasse, nein, zwei. Die anderen erzählten ihnen, wer du warst. Und schon vom ersten Tag an wussten sie, wie sie dein Herz durchstoßen und es in einen blutenden Klumpen Fleisch verwandeln konnten. In dieser Zeit hast du deine Gefühle verloren. Alle, bis auf Hass. Die Maske ist zu einer zweiten Haut geworden, dein Panzer ist mit dir verwachsen. Die einzige Freundin, die du hattest, war auch die einzige, der du offen gegenüber warst. Trotzdem könntest du heute nicht mehr zählen, wie viele Entschuldigungen du gefälscht und wie oft du Magenschmerzen vorgetäuscht hast, nur, um nicht in die Schule oder zu Sport gehen zu müssen.
Und dann kam die Woche, die du niemals vergessen würdest.
Der Skikurs. Es fiel dir schon schwer genug, jemanden zu finden, der ein Zimmer mit dir teilen wollte. Es gab ein paar Menschen, die angeblich auf deiner Seite waren und die dich aufnahmen, aber sie hatten dich schon so oft enttäuscht, dass du vorsichtig warst. Mit der Busfahrt nach Italien begann der Horror. Ein Bus mit gut 60 Schülern, von denen nur ein oder zwei normal mit dir redeten war keine gute Voraussetzung. Du hast versucht, sie zu ignorieren, hast versucht, zu schlafen oder Musik zu hören. Doch sie rissen dir die Kopfhörer aus den Ohren, fotografierten dich gegen deinen Willen und sobald du auch nur kurz aufgestanden bist, kamen von allen Seiten Beleidigungen. Deinen Vornamen hatten sie sowieso nie gelernt.
Mit der Ankunft zeriss deine Seele nach und nach. Überall wo du hingegangen bist, haben sie Abstand gehalten und angewiderte Rufe von sich gegeben. Am Essenstisch haben sie dir das weggenommen, was du gerne gegessen hättest und dich in Gesprächen ganz einfach ignoriert. Wenn du Tischdienst hattest, haben sie dich wie eine Leibeigene behandelt. Spieleabende waren für sie die beste Grundlage dich auf die Knie zu zwingen. Deine Zimmergenossen haben bei offenen Türen über dich gelästert und dein Name war zu einer Beleidigung für andere geworden. Selbst, als du auf der Piste einen Unfall hattest und halb bewusstlos im Schnee lagst, sind sie lachend an dir vorbeigefahren und du durfest dir später eine Standpauke deiner Lehrerin anhören.
Es hat dir gereicht, stimmt's? Du wolltest das nicht mehr. Alle sagten immer »Rede mit ihnen, das ist sicher alles nur ein Missverständnis« und das wolltest du jetzt wahrmachen. Du bist zu deinem Lehrer gegangen, hast ihm alles erzählt und er hat die beiden Anführerinnen zu sich gerufen. Ein Gespräch fand statt, das aber zu nichts führte. Vor dem Lehrer gaben sie sich ganz anders und sprachen dir allerlei negative Seiten zu, die der Grund dafür sein sollten, dass sie etwas gegen dich hatten. Du hattest so wenig geredet die letzten Jahre, du wusstest nicht, wie du dich verbal wehren konntest, also hast du alles über dich ergehen lassen. Der Rest des Skikurses lief nicht anders ab, die Rückfahrt ebenso. Und als du zuhause angekommen bist, bist du das erste Mal in deinem Leben unter Tränen zusammengebrochen. Du warst alleine in deinem Zimmer, niemand hat es gesehen, niemand sollte es sehen. Schwäche war etwas, das andere nie an dir sehen sollten. Irgendwann hast du dann zum Messer gegriffen und dir die Klinge leicht auf den Arm gedrückt. Du hast deinen Puls durch das Messer gespürt, die Tränen vernebelten dein Blickfeld, dein Körper schien taub und kraftlos. Ein einziger Schnitt. Es war ein sehr scharfes Messer, damit wäre es nicht schwer gewesen, tief ins Fleisch zu dringen und genügend Adern zu durchschneiden. Doch du hast gezittert. Dann hast du zum Telefon gegriffen und deine Freundin angerufen. Es war dir kaum möglich, auch nur ein Wort verständlich hervorzubringen, doch sie sagte »Warte, ich komm' zu dir.«.
Sie klopfte an deinem Fenster und du hast ihr geöffnet. Sie setzte sich zu dir und als sie das Messer sah, begann sie mit dir zu reden. Nicht über Selbstmord und seine Folgen wie es die meisten wohl getan hätten. Nein, sie sprach von ihrem Tag, erzählte, wie sie ihr Zimmer streichen wollte oder welche Kunststücke sie ihrem Hund beigebracht hatte. Und sie lächelte und strich dir über die Wange. Sie nahm deine Hand mit dem Messer darin, schloss die Finger darum und sagte nur »Tu' es oder lass es sein.«
Du hast es gelassen. Und weiter durchgehalten. Als du das Zeugnis der siebten Klasse in Händen gehalten hast, warst du für einen Moment der glücklichste Mensch im Klassenzimmer. Eine Sechs in Mathe. Sitzengeblieben. Du hättest vor Freude heulen können, habe ich nicht Recht? Raus aus dieser Hölle, weg von den Dämonen.
Noch einmal die siebte Klasse, doch das war es dir wert. Am ersten Tag in der neuen Klasse hast du dich auf den selben Platz gesetzt wie im Jahr davor - letzte Reihe links am Gang. Zwei Plätze waren neben dir frei, doch niemand setzte sich zu dir. Ein paar schienen dich zu kennen, anderen tuschelten untereinander. Du hast einfach nichts gesagt und hast ausgeharrt. Irgendwann war jeder Platz besetzt, außer der beiden neben dir. Zwei Mädchen kamen kurz vor Unterrichtsbeginn zu dir und fragten, ob sie sich neben dich setzen dürften. Du hast genickt und dich insgeheim gefragt, ob sie das auch noch getan hätten, wenn woanders Plätze frei gewesen wären. Die Angst, dass alles so werden könnte wie damals fraß dich auf und du hast dich tief ins Schweigen vergraben.
Es kam nicht so wie damals.
Es wurde nicht wie in der Grundschule, bei Weitem nicht, doch die Klasse nahm dich auf. Es war eine neue Erfahrung für dich, durch die Klasse zu gehen, ohne, dass man dir ein »Du stinkst!« hinterherwarf. Du hast wieder gelernt zu reden, wenn auch nicht viel, aber es hat sich gebessert.
Mit dieser einen Freundin zusammen konntest du die Zeit gut überstehen. Im zweiten Skikurs haben sich deine Klassenkameraden sogar Sorgen gemacht, als du wegen der Bindehautentzündung kaum etwas sehen konntest und haben ein paar Worte mit dir an deiner Bettkante gewechselt.
Es wurde nie mehr und nie weniger. Bis heute kommst du gut mit ihnen klar, doch sie wollen dich auch nicht wirklich bei sich haben. Sie setzen sich selten freiwillig neben dich und in Sport sind ihre Mannschaften angeblich schon gebildet, wenn du sie fragst, ob du bei ihnen mitmachen kannst. Du hast dich damit abgefunden.
Die Jahre vergingen, es ging dir wieder etwas besser. Du hast dich gewandelt. Wenn ich dich damals angesehen habe, wie verängstigt und voller Hass du vor mir standest, war ich wütend, weil du so feige warst und dich nicht wehren konntest. Der Hass ist nicht von dir gewichen, aber du hast Mut entwickelt. Mut, so zu sein, wie du es für richtig hältst. Du hast dich niemals wieder der Masse ergeben und du hast gelernt, dich zu verteidigen. Wenn sie dir etwas an den Kopf warfen, hast du gewartet, bis sie alleine waren und hast sie gefragt, was das soll. Sie wussten keine Antwort und du hast ihnen gedroht. Du würdest niemals jemanden schlagen, aber das wussten sie ja nicht. Und manchmal reichte auch nur dein hasserfüllter Blick, um sie zum Schweigen zu überreden. Du warst nicht mehr die von früher. Du bist erwachsen geworden, bevor andere ihre Pubertät überhaupt erreicht haben. Dein Leben kam wieder in geregelte Bahnen.
Du hast jemanden kennengelernt und dich verliebt. Das dachtest du zumindest. Auch wenn du erwachsen geworden bist, so warst du in dieser Beziehung schrecklich naiv. Du hast alles über dich ergehen lassen - auch wenn du nicht wolltest - weil du es für richtig gehalten hast. Du hast ihm deine Unschuld geschenkt und könntest dich noch heute dafür verprügeln, oder? Als er dich nur noch wie einen Gegenstand behandelt hat und sich in eine andere verliebt hatte, ohne es dir zu sagen, wurde es dir genug. Du hast es beendet und kamst dir körperlich so dreckig vor. Auch deine zweite Beziehung ging recht schnell in die Brüche, weil er dich nicht als Menschen sah. Du wolltest keine Liebe mehr, keine Männer. Sie widerten dich an, doch du hast versucht sie einfach zu vergessen.
Alles war wieder in Ordnung, bis zu diesen Worten.
»Ich werde umziehen.«
Sie sagte es dir direkt ins Gesicht. Sie war älter als du, die Schule hatte sie hinter sich gebracht und wollte eine Ausbildung beginnen. Dafür musste sie in die Nähe von München, denn dort hatte sie gute Voraussetzungen durch ihre Verwandten. Die letzten Wochen, die ihr zusammen hattet, behandelte sie dich sehr vertraut. Vertrauter vielleicht, als es gut war. Du wirst niemals diese besondere Nacht vergessen und heute weißt du nicht, ob du sie lieben oder hassen sollst, denn sie ging ohne ein weiteres Wort. Keine Adresse, keine Nummer. Sie ließ dich alleine. Ohne Grund. Wie all die anderen. Gut dreieinhalb Jahre waren vergangen seit dem Gedanken an Selbstmord und du dachtest schon wieder daran. Eine Lüge, mehr bedeutete das Leben nicht mehr für dich. Du hast angefangen, deine Schultern, dein rechtes Bein, deine Hüfte aufzuschneiden. Du wolltest die seelischen Schmerzen durch körperliche wieder loswerden. Du wolltest etwas fühlen. Alle Gefühle konntest du wieder abstellen. Wenn du geweint oder gelacht hast, konntest du im nächsten Moment wieder völlig normal erscheinen. Doch Schmerzen ließen sich nicht abstellen und das tat dir gut, nicht wahr? Ich sehe dich, wie du in deinem Bett kauerst, die Rasierklinge in der zitternden Hand und das warme Blut auf der Haut spürend. Du hattest schon fast wieder aufgegeben.
Doch da war jemand.
Du hattest sie durch eine andere Internetbekanntschaft kennengelernt. Ihr kanntet euch gut zwei Jahre, davon eines näher, doch bisher hattest du das ganze eher als eine sehr gute Bekanntschaft gesehen. Vor allem, weil du nicht wahrhaben wolltest, jemals wieder eine Freundschaft pflegen zu können. Dieser Mensch hielt dich vom Selbstmord ab. Und vom SVV. Sie war körperlich nicht bei dir, aber sie sprach dir Mut zu und du könntest heute nicht mehr zählen, wie oft sie dir gesagt hatte, dass du ein wertvoller Mensch bist. Der Unterschied war, dass sie es nicht dahersagte, sondern es dir immer wieder bewies. Wenn du bei ihr warst, dann hat sie dich minutenlang in den Arm genommen und dir durch die Haare gestreichelt. Sie hat es dir anvertraut, wenn es ihr schlecht ging und sich für jedes Gespräch bedankt und genauso hat sie deine Probleme ernst genommen. Es war neu, aber wunderschön. Sie war der erste Mensch, den du nach der großen Lüge wieder als Freund bezeichnen konntest.
Es dauerte nicht lange. Es war etwa eine Woche nach deinem siebzehnten Geburtstag, als eine Nachricht in deinem Postfach lag - von einer Person, die du erst sehr kurze Zeit kanntest und das nicht einmal sonderlich gut. Doch diese Nachricht beinhaltete neben vieler aufmunternder Worte einen Teil ihrer Lebensgeschichte. Sie sagte, sie wolle die Distanz zwischen euch aufheben. Nebenher wurde der Kontakt mit dem einzigen männlichen Freund, den du heute sehr gerne an deiner Seite weißt, wieder stärker. Zwei Bekanntschaften, die sich schneller als so viele andere Dinge, in Freundschaften verwandelten. Es dauerte eine Weile und es musste erst ein Treffen stattfinden, aber danach konntet ihr euch sicher als Freunde bezeichnen. Es gibt heute nicht viele Menschen, die sich durch deine Mauer schlagen können. Dein Lehrer sagte einmal, dass man sich als der glücklichste Mensch der Welt fühlen konnte, wenn man auch nur einen wahren Freund hat. Und du hattest drei. Und jeder tat dir auf seine ganz eigene Art und Weise gut. Einer nahm dich in den Arm und hielt dich solange fest, wie du es nötig hattest, machte Späße und versuchte immer, dir ein Lächeln abzuringen. Einer konnte dich stundenlang festhalten und du konntest jedes Gefühl mit ihm teilen, egal ob Trauer, Wut oder Freude. Er hörte dir zu. Und einer sprach mit dir über einfach alles, sah das Leben objektiv, half dir, wo er nur konnte und gab dir zu verstehen, dass bei ihm die kleinen Dinge als Freundschaftsbeweise anzusehen sind.
Keiner von ihnen lebt heute in deiner Nähe, sie sind alle einige hundert Kilometer weit weg, aber dennoch würdest du für diese Menschen alles aufgeben was du hast. Was hältst du da in deiner Hand? Ein Halstuch? Ein kleines Säckchen mit Kieselsteinen? Was ziehst du da unter deinem Shirt hervor? Drei Ketten? Du lächelst und ich weiß, dass das deine wichtigsten Besitztümer sind und du sie für noch so viele Millionen nicht eintauschen würdest. Ich frage dich, ob du glücklich bist und du nickst und in deinen Augen erkenne ich einen schwachen Glanz von Tränen. Aber nicht die Tränen, die du so viele Jahre vergossen hast, sondern welche aus Freude und Glück.
Ich sehe dich an und sehe einen Menschen, der den ganzen Tag vor dem PC sitzt und kaum nach draußen kommt. Ich sehe den Schmerz der Einsamkeit in dir, so wie du dich von der Welt abgewandt hast, sehe dich auf deinem Stuhl kauern in Erwartung, dass jemand dich in ICQ anspricht. Aber ich sehe dich auch, wenn deine Freunde bei dir sind. Deine Eltern haben dich ganz überrascht angesehen, als du auf einmal so viel geredet hast, nicht wahr? Sie sehen dich so gut wie nie lächeln und noch seltener reden. Aber bei diesen Treffen bist du kaum zu halten.
Ich sehe den Stolz in deinen Augen. Nicht mehr den der Grundschule, sondern einen, der den Sieg über deine alte Klasse zeigt. Über die Lüge. Über alles. Und ich sehe, dass du weiterkämpfen wirst. Du hast Ängste davongetragen. Du kannst dich nicht vor die Klasse stellen, ohne wieder diese Fratzen zu sehen. Du kannst viele Noten in Sport nicht machen und musst dich mit den Lehrern herumschlagen, die dich dazu zwingen wollen. Du kannst dich alleine nicht unter Menschenmassen aufhalten. Zumindest nicht, ohne in Tränen auszubrechen oder zusammenzuklappen. Aber du weißt, dass nach der Schule alles besser wird und dass du weiterhin gegen deine Ängste kämpfen wirst und sie eines Tages vergessen sein werden.
Ich sehe dich noch einmal an, streiche dir eine Haarsträhne hinters Ohr und lächle dir ermutigend zu, bevor ich meinen Blick vom Spiegel abwende und aus dem Badezimmer gehe, um einen neuen Tag zu beginnen.
~~~
Comments: (0)


Another night alone
Date: Aug 18th, 2006 3:41:54 am - Subscribe
Mood: sick...
Musik: ---

Seit sieben Uhr wach ... und mir ist so furchtbar schlecht ... Scheiß Albträume ... bitte lass sie nicht wahr werden ...

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Goodbye~ #2
Date: Aug 16th, 2006 8:51:59 am - Subscribe
Mood: *sigh*
Musik: Alkaline Trio - Blue in the face

So sind die Treffen also wieder vorbei.
Es tat wirklich gut endlich wieder glücklich zu sein. Es ist so ein schrecklich starker Kontrast zum Alltag. Der Besuch von Annika, Anja und Claudia war wirklich bitter nötig, ich glaube, ich habe lange nicht mehr so viel und ausgiebig gelacht wie in den letzten zwei Wochen. Doppelt schön war es, weil meine Eltern bis gestern abend weg waren... und sturmfrei ist immer was Tolles, auch wenn wir es nicht so richtig ausgenutzt hatten, außer durch die Tatsache, dass wir etwas lauter waren als sonst.
Aber es war schön zu viert im Zimmer zu sitzen, zu zeichnen, Musik zu hören, zu zocken oder sonstigen Kram zu machen. Es war schön, in den Arm genommen zu werden, vor allem von Annika, weil ich sie ehrlich gesagt am Meisten vermisst habe. Und mit ihrem Geschenk hat sie mir wieder bewiesen, dass ich ihr wirklich was bedeute. Bei ihr wirkt die Paranoia in meinem Kopf so gut wie gar nicht mehr. Und wenn ich das hölzerne Herz auch zu einer Kette umfunktioniere, hab ich immer eine von Annika und zwei von Fo um meinen Hals hängen (nein, das sind nicht zu viele). Den beiden liebsten Frauen in meinem Leben sozusagen.
Toll war es auch, dass man sich nicht zwangsweise ständig auf der Pelle saß. Es war mehr eine WG. Jeder hat gerade das gemacht, was er machen wollte. Kein Zwang oder Ähnliches.
Der Abschied an sich war auch sehr schön. Nochmal jeden umarmt und nochmal an Annika gelehnt, einen Kuss auf die Wange bekommen und gegeben, bevor sich schließlich die Türen schlossen und der Zug davon fuhr. Geheult zum Glück dann erst zuhause, wäre ja dumm genug, wenn meine Mutter das auch noch mitbekommen würde.

Nun... es war eine sehr schöne Zeit. Zwei Wochen voller Spaß, Lachen, frei und ohne Ängste sein. Ich weiß, warum ihr meine Freunde seid. Und ich weiß, warum ihr es bleiben werdet.

~Au revoir~
Marin

Comments: (0)


Farewell.
Date: Aug 7th, 2006 1:12:59 pm - Subscribe
Mood: ´:3
Musik: Alkaline Trio - Blue in the face

Nun, was soll ich sagen. Fo ist weg.
Die gesamte Woche mit ihr war wunderbar, von der ersten Umarmung am Bahnhof nach ca. 76 Minuten Verspätung ihres Zuges (Hass~ dumme Bahn) bis zu den letzten Minuten am Gleis, bevor wir uns verabschieden mussten.
Vielleicht war die Woche nicht sonderlich ereignisreich und wir sind nur einmal wirklich aus dem Haus gekommen, als wir PotC2 im Kino ansehen wollten, aber sie war trotzdem schön. Zwar waren recht wenig Umarmungen oder Schmuseeinheiten dabei, aber ich wäre mir auch blöd vorgekommen, wenn ich damit anfange und es kommt nichts zurück (Paranoia whut). Trotzdem lagen wir genug sinnlos herum, haben uns gegenseitig ordentlich durchgekitzelt - wobei ich einige Kratzer als Andenken am Arm trage -, haben Relaxo, Karpador und Sleimok gespielt, uns im Zimmer herumgewälzt, alle Resident Evil Teile durchgespielt, die ich hatte (Gehaltserhöhung~~), sie hat mir PoP The two Thrones und das Ende von TWW gezeigt, wir haben uns in SSBM gehörig geschlagen, haben Chicago, Spiderman 1+2 und PotC angesehen und sehr viel gelacht. Es war schön, mal wieder so richtig ausgelassen zu sein und jemanden neben sich zu haben, den man lachen sieht, dem es gut geht.
Es gab Momente, in denen kam die Paranoia zurück. Es passiert immer, wenn der andere dasitzt, nichts sagt, irgendwohin guckt. Stille macht mich innerlich schnell wahnsinnig. Und nach dem Kinoabend dann draußen sitzen, auf meine Mutter wegen Abholen warten und kaum ein Wort reden ist für mich einfach zuviel. Da sinkt meine Laune gern ziemlich schnell und ich muss gegen die Tränen kämpfen. Aber ich wollte nicht heulen, nicht bei so einem Treffen, das wäre ja lächerlich gewesen.
Insgesamt habe ich es aber sehr genossen, auch wenn mir manchesmal der Eindruck kam, es würde ihr nicht so recht gefallen, aber vielleicht haben mich da wieder meine Paranoia gejagt. Besonders schön war es, dass der Abschied weder depri noch emo war, sondern ganz normal ablief. Wir sind nach Nürnberg gefahren, waren noch etwas in der Stadt unterwegs, Fo konnte ihren Gürtel kaufen, den sie schon Ostern wollte und Eis essen waren wir auch noch, um etwas im Magen zu haben. Wir haben recht viel geredet (weswegen ich den ersten und die letzten zwei Tage auch am Schönsten fand, man hat einfach viel mehr geredet und Späße gemacht) und uns mit einer letzten Umarmung verabschiedet.
Aus den Schmetterlingen, die sie mir gebastelt hat, werd ich noch irgendwie Ketten machen und die Pente wird ab heute sowieso immer um meinen Hals hängen. Irgendwie find ich es wirklich bescheuert, dass ich nichts für sie hatte. Ich konnte ihr nur ein paar Zeichnungen bieten, aber ich hoffe, sie sind ihr etwas wert. Ich kann nunmal nicht viel mehr als zeichnen.

Blue in the face ist irgendwie ein Lied, das mir nach Abschieden jedesmal Tränen entlockt. Weniger durch den Text, als durch die Melodie und die etwas heiser klingende Stimme des Sängers. Ich muss dieses Lied immer hören, wenn ein Freund geht, dann weine ich und es geht mir gleich viel besser. Und es ist mir egal, wie schief mich die Leute am Bahnhof angesehen haben.
Ich freue mich jetzt einfach weiter auf Annika, Anja und Claudia, die am Mittwoch hier eintreffen und bereite bis dahin alles vor.

Sommerferien können schön sein. Und ich brauche diese Ego-Boosts für die elfte Klasse sehr dringend.

~Au revoir~
Marin
Comments: (1)


Wtf.
Date: Jul 30th, 2006 7:06:42 am - Subscribe
Mood: annoyed
Musik: Disturbed - Meaning of life

Na klasse. Es ist schön das Gefühl zu haben, das Schicksal - oder wie auch immer man es nennen will - sei gegen dich. Ich wollte meinem Besuch in den nächsten zwei Wochen ein paar Überraschungen bereiten, aber nichts hat geklappt. Entweder fehlte das Geld oder mir fiel ein, dass meine Eltern ja weg sind und man nicht überall gut hinkommt oder ich habe die Tatsache mehr oder minder akzeptiert, dass ich zu dumm zum Nähen bin. Oh man.
Sowas hilft nicht gerade gegen die Paranoia. Ich will ihnen doch nur ein paar schöne Tage hier bereiten und verhindern, dass man nur dumm rumsitzt und nichts tut... aber mittlerweile sind mir die Ideen ausgegangen und ich muss mich wohl damit abfinden, dass keine von denen, die ich hatte, durchführbar ist.

Was solls. Übermorgen kann ich Fo endlich wieder in die Arme schließen. Allein daran werde ich jetzt denken.

~Au revoir~
Marin
Comments: (0)


Why ... ?
Date: Jul 24th, 2006 9:45:55 am - Subscribe
Mood: wtf.
Musik: Wir sind Helden - Kompass

PC-Rauschen.
Das ist alles.
Kein Lachen. Keine Stimme. Nichtmal ICQ.
Wenn die Einsamkeit zurückkommt, bricht jedesmal etwas in mir zusammen. Wenn ich mich daran erinnere, wie viele Menschen ich in der Grundschule hatte, mit denen ich mich verstand. Sicherlich fünf oder sechs Freunde, wie ich sie damals nannte und mit den meisten anderen verstand ich mich auch... Ich ging auf Geburtstagsfeiern und lernte sie zu hassen.
Ich wurde zu Dingen gezwungen, die ich nicht tun wollte... Dafür hasste ich sie.
Ich habe versucht den Kontakt zu halten, aber sie fanden neue Freunde. Dafür hasse ich sie.
In den über siebzehn Jahren meines Lebens hat sich so viel Hass entwickelt. Und genausoviel Distanz. Ich wurde nicht oft zu irgendetwas eingeladen, seit ich in meiner neuen Klasse bin, aber wenn, habe ich "Nein, danke." gesagt. Und ich habe den Ärger in ihren Augen gelesen. Ich will anderen nicht in die Augen sehen, weil es oft so verletzt, weil ich sehe, was sie von mir denken.
Ich habe mich so lange darum bemüht. Sieben Jahre habe ich versucht neue Freunde zu finden. Eva war die Einzige, die zu mir gehalten hat. Die trotz aller Schikane nicht von meiner Seite gewichen ist. Warum ist sie einfach gegangen? Alles eine große Lüge...
"Du scheinst nur Pech in deinem Leben gehabt zu haben."
Warum zucke ich bei diesem Satz immer zusammen? Ich hatte doch auch glückliche Momente, nur habe ich die so gut wie immer mit Menschen erlebt, die mich später verraten haben. Warum habt ihr das getan? Ich kann die Wunden schon gar nicht mehr zählen...
Eure angewiderten Blicke werden für immer in meinem Gedächtnis hängen bleiben. Wenn ich an die Tafel ging, wenn ich abgefragt wurde, wenn ich mich bei Sport umgezogen habe, in den Pausen, nach der Schule, in der Stadt, als ich aus dem Krankenhaus kam, im Skikurs. Eure Blicke waren immer so gehässig, niederträchtig, abwertend. Euer Gelächter hallt in meinen Ohren wieder, Tag für Tag. Warum habt ihr mich ausgelacht?
Ihr habt so viel Hass in mir erzeugt. Ich will euch dafür die Kehlen durchschneiden. Aber es würde nichts ändern, es würde mich nicht glücklicher machen. Ich wäre noch immer einsam.
Warum kann ich jetzt nicht einfach jemanden anrufen, ihm von meinem Tag erzählen und mit ihm gemeinsam lachen? Weil niemand hier ist...
Warum kann ich nicht ein paar Sachen zusammenpacken, meiner Mutter zurufen, dass es spät werden kann und dann zu jemanden gehen, um mit ihm die halbe Nacht GC zu zocken? Weil niemand hier ist...
Es ist niemand hier. Und ich habe es aufgegeben, nach jemandem zu suchen. Ich werde die nächsten drei Jahre durchhalten und wenn das Glück mir dann doch irgendwann hold ist, ziehe ich in den Nordwesten zu meinen Freunden. Und bleibe bei ihnen. Dann werde ich nicht mehr einsam sein.
Und bis dahin freue ich mich auf Fo, Annika, Anja und Claudia, die ich ja bald sehen werde.
~~~
Heute nacht lief ich plötzlich alleine
Da wo vier waren nur noch zwei Beine
Trotzdem lief ich und stand
Dann im Wasser im Sand
Gespannt ob die See zu mir her sah
Und ich sah, dass der Strand
Nur das Ende vom Land
Und nich mehr der Anfang vom Meer war
Mein Kompass, mein Anker, mein Ufer
Mein Lotse, mein Leinenlos-Rufer
Wo bin ich wenn hier nich mehr hier is?
Wo bin ich, wenn du nich mehr bei mir bist?

Jetz räuspert die Stille sich spürbar
Dein Fleck an der Wand wo die Tür war
Macht mein Zimmer so klein
Du fällst mir nich mehr ein
Ich durchsuche mich und kann dich nich finden
Und ich bind mir zum Schein
Deinen Schatten ans Bein
Um für Stunden noch Schonzeit zu schinden
Mein Kompass, mein Anker, mein Ufer
Mein Lotse, mein Land-in-Sicht-Rufer
Wo bin ich wenn hier nich mehr hier is?
Wo bin ich, wenn du nich mehr bei mir bist?
~~~

~Au revoir~
Marin
Comments: (3)


Window Template
Create your own Free Aeonity Blog Today
Content Copyrighted marin at Aeonity Blog